»Papa, ohne Dich kann ich nicht einschlafen!«

Dieses Zitat einer mir sehr nahestehenden, derzeit vier Jahre alten Person geht mir schon seit einiger Zeit nach. Zum Internationalen Jugendtag in Fiesch 2006 konnten wir als Familie an diesem Treffen teilnehmen, und unser jüngster Sohn verwendete das obige Zitat, um mich zur Schlafenszeit noch ein bisschen an seinem Bett verweilen zu lassen. Fast schon Erpressung! Wie gerne hätte ich mich noch mit dem einen oder anderen unterhalten ... gut, dafür konnte meine Frau bei den meisten Abendveranstaltungen teilnehmen ... klar, natürlich steht man(n) seinen eigenen Kindern gerne zur Verfügung ..., aber so ein bisschen wurmte es mich doch, so in Beschlag genommen zu werden, das muss ich ehrlich zugeben.

Erst im Nachhinein wurde mir so richtig bewusst, was für eine Unmenge an Vertrauen mir da entgegengebracht wurde (und noch wird). »Wenn mein Papa da ist, dann kann ich ruhig einschlafen, da brauche ich keine Angst bei unbekannten Geräuschen zu haben, da kann ich mich absolut darauf verlassen, dass mein Papa auf mich aufpasst und alles vertreibt, was mich vom Schlafen abhalten könnte ...« Ich habe keine Ahnung, ob mein Sohn wirklich solche Gedanken hatte, und nur zu gern würde ich mal in die Gedanken eines Kindes Einblick nehmen können ..., aber so ähnlich wird er sicherlich empfunden haben. Keine Sorge, ich brauche nicht auf mich selber achten, dass macht schon jemand, der mich ganz doll lieb hat ...; all das kommt da zum Ausdruck.

Können wir das zu unserem himmlischen Vater auch sagen: »Papa, ohne Dich kann ich nicht einschlafen? «
Können wir uns derart vertrauensvoll in Gottes Vaterhände begeben, mit all unseren Sorgen und Nöten? Können wir loslassen von allem Eigenen, im festen Wissen und Vertrauen, dass ganz nah bei uns jemand ist, der uns unendlich liebt?

Durch Jesus Christus dürfen wir zu Gott, dem Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, Vater sagen. Mehr noch: Paulus greift zwei Mal (Römer 8,15; Galater 4,6) die Anrede Gottes in Jesu Gebet (Markus 14,36) auf und macht deutlich, dass auch wir »Abba«, was im Aramäischen so viel bedeutet wie »lieber Vater« oder eben auch »Papa«, zu Gott sagen dürfen. Allein das ist unfassbar!

An der kleinen Begebenheit mit unserem vierjährigen Sohn habe ich wieder neu lernen dürfen, was es heißt, Gott zu vertrauen, ganz loslassen zu können, Ihm alles anzuvertrauen. Ich wünsche mir Gottes Gegenwart, ich wünsche mir, Seine Nähe zu verspüren, und das täglich, nicht nur beim Einschlafen ..., aber vielleicht auch gerade da?! Ich wünsche uns allen, dass wir uns intensiv in Gottes Vaterliebe geborgen wissen, dass unser Leben unverrückbar in Gottes Liebe gegründet ist ..., so dass wir abends gar nicht anders können, als im Gebet zu sagen: »Papa, ohne Dich kann ich nicht einschlafen!«

Christoph Kadner

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