Lobpreis und Anbetung

Vor einiger Zeit kaufte ich mir ein kleines Taschenbuch von Guido Baltes mit dem Titel: »WÖRSHIP.« G. Baltes sagt eingangs, dass ›Wörship‹ kein Druckfehler sei, ihm sei einfach kein besseres Wort eingefallen.

Natürlich – wer heute was auf sich hält, der sagt ›worship‹. Aber das ist ja englisch, und eigentlich wäre es doch schön, ein deutsches Wort zu haben. »Anbetung« wäre deutsch, aber das klingt gleich so bieder, so traditionell. »Lobpreis« ist zwar auch in Mode, trifft aber nicht alles, worum es geht. Im Grunde genommen, so führt er weiter aus, ist es letztlich auch nicht so wichtig, wie man es nennt, Hauptsache, wir tun es.
Obwohl das Buch nur wenig mehr als 100 Seiten umfasst und ich es bis heute noch nicht ganz lesen konnte, lässt mich dieses Buch und die darin geäußerten Gedanken nicht los. Ferner halte ich es auch für uns als apostolische Gemeinschaft für wünschenswert, wenn nicht gar notwendig, dass auch in unseren Gottesdiensten Lobpreis und Anbetung mehr in den Vordergrund rückt. Apostel Lenser hat in früheren Jahren uns Brüder immer wieder dazu angehalten, solches nicht zu vergessen.

In der letzten Woche erhielt ich nun das quartalsweise erscheinende Allianzgebetsheft zugeschickt, in dem für jeden Tag immer konkrete Gebetsanliegen aufgeführt sind, wofür man sich in seinem persönlichen Gebet fürbittend verwenden kann. – Doch schön, solche Hilfen zu bekommen, denn wir suchen und fragen uns oftmals, wofür man beten kann und soll. Dabei kommen wir dann häufig über die stets gleichen Bitten nicht hinaus. – In diesem Heft schreibt Nikolaus von Abendroth etwas unter dem Titel »Anbetung als Lebensstil«, was ich hiermit uns allen zur Kenntnis geben möchte:

Anbetung ist Teil unserer Gottesdienste. Formen und Stile mögen sehr unterschiedlich sein, aber die Zielrichtung ist die gleiche: Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, der Schöpfer, Erlöser, Retter, Tröster und Helfer. Ihn wollen wir lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all unserer Kraft. So singen und beten wir es.

Jesus lehrt uns: »Wenn ihr betet, so sprecht: ›Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt‹ ...« Der Heiligung, Verehrung und Anbetung Gottes misst er eine zentrale Bedeutung zu. Wir schließen dieses Mustergebet ebenfalls mit Anbetung: »... denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.»

Anbetung geht über unsere Gottesdienste hinaus. Sie bedeutet, Gott den höchsten Platz in allem zu gewähren. Sie geht somit weiter, als permanent Lieder auf den Lippen zu haben. Anbetung ist vor allem eine Haltung unsres Herzens. Sie soll nicht nur in bestimmten »heiligen« Momenten zum Ausdruck kommen, sondern in unserem Alltag gelebt werden. »Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn«, singt der Psalmist (Psalm 113,3). Und Apostel Paulus ermutigt uns, ohne Unterlass im Gebet zu bleiben (1Thess 5,17). Gott wünscht sich Anbeter, die ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten (Joh 4,23). Ein Leben, das von Gottes Geist geprägt ist und in Wahrheit geführt wird, ehrt den Vater.

Anbetung ist Ausdruck unserer Hingabe an Gott. Seine Führung zu erbitten, preist Gott, da ich mich auf ihn verlassen möchte. Ihn nicht nur um Dinge bitten, die wir nötig haben, sondern ihn um seiner selbst willen anzubeten, gibt ihm den ihm gebührenden Platz und führt uns ganz nebenbei weg von der Fixierung auf unsere eigenen Wünsche und Probleme. Auch einfach jemandem ein gutes Wort zu sagen, lobt Gott, da ich sein Gebot der Liebe ernst nehme.

Uns fallen bestimmt weitere Möglichkeiten ein, durch die wir Gott verehren und anbeten können. Darüber hinaus können uns auch besondere Tage des Gebets und der Anbetung Gottes motivieren, Anbetung zu leben. Anbetung ist weit mehr als ein Frömmigkeitsstil oder Singen bestimmter Lieder. Anbetung kann immer mehr zu einem Lebensstil werden, der uns Jesus ähnlicher macht.

G. Baltes sagt: »Anbetung ist ein Fenster in den Himmel.« Dies ist ein Fenster, welches wir selbst öffnen oder verschlossen halten können. Wenn es uns schwer fällt, es zu öffnen, nehmen wir doch wieder einmal die Heilige Schrift zur Hand und lesen in den Psalmen. Dort wird uns in einzigartiger Weise aufgezeigt, wie wir Gott ehren und preisen können. Wo wir solches tun, werden wir erfahren: Gott ist wahrhaftig unter uns (1Kor 15,25).

Siegfried Amann

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