Liebe Leser!

Der Gedanke an die dritte Jahreszeit, den Herbst, ist nicht nur mit vielen Bildern aus der wunderschönen Natur verbunden.

Dieses Idyll wird von Nachrichten über Ernteausfälle durch Unwetter, über unvermeidliche Teuerungen durch Schweinepest und Vogelgrippe überschattet. Jäh holt uns die raue Wirklichkeit ein, die von Früchten so redet, als handle es sich um von Menschen hergestellte Produkte. Millionen-Beträge werden in die Vernichtung von Ernteerträgen investiert, um so das Angebot zu senken und das weltweite Preisniveau zu halten.

Wo stehen wir in diesem Spannungsfeld von Idyll und brutalem Existenzkampf, von Erntedank und gewinnorientierter Marktstrategie? Gut, wenn wir nicht aus den Augen verloren haben, dass der Mensch nur den Boden bereitet und die Saat ausbringt. Das Wachsen und Gedeihen, den Wind, den Regen und die Sonne gibt Gott. Er ist es, dem wir alles, was wir sind und was wir haben, verdanken. Weil das so ist, will uns der Erntedanktag an den Geber aller guten Gaben und daran erinnern, was sein Wille mit uns und durch uns ist.

Sollten wir da an den Punkt gelangen, in der Vergangenheit vielleicht doch ein wenig zu gedankenlos mit dem umgegangen zu sein, was wir unverdientermaßen haben dürfen und was uns zu verantwortungsvoller Verwaltung, ja auch zum Teilen und Verteilen anvertraut worden ist, so stehen wir vor dem zweiten großen Thema des Monats Oktober. Ich spreche vom Reformationstag, der uns einlädt, uns dankbar der Menschen zu erinnern, die unter Einsatz ihres Lebens für die Wahrheit des Evangeliums eingetreten sind. Reformation ist immer und zu allen Zeiten wichtig und notwendig, für den einzelnen ebenso, wie für die Kirche, ja für die Gesellschaft, in der wir leben. Das heißt, dass wir uns Gott zuwenden, seinen Willen erfragen und diesen gehorsam und mit aller Kraft befolgen sollen.

Wir können nicht das Verhalten von Gesellschaften oder Kirchen, wohl aber unser eigenes Verhalten verändern. Deshalb ermutige ich Sie, liebe Leser, beide Einladungen, die, die Geschenke Gottes dankbar zu würdigen und die, sich in persönlicher Reformation ihm immer neu zuzuwenden, anzunehmen.

Wilfried Baron

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