Kinder beschreiben „GOTT“

- Wie baut sich bei Kindern
ein Verhältnis zu Gott auf?

- Was sagen Kinder zu Gott?

- Was halten sie von ihm?

- Welche Erfahrungen haben sie
mit ihm gemacht?

- Kennen sie ihn überhaupt?
Eine Menge Fragen, die ich mir gestellt habe. Und es war interessant zu erfahren, wie ungezwungen Kinder mit dem Thema Gott umgehen.

Ich arbeite an der Grundschule, und hier ist der „liebe Gott“ immer mal wieder Thema. Die moslemischen Kinder gehen regelmäßig zum Arabischunterricht. Oft sitzen sie danach zusammen und diskutieren über Geschichten im Alten Testament (im Koran). Manchmal bekommen Kinder etwas davon mit, die keine religiöse Erziehung von den Eltern erhalten haben und stellen die Geschichten als Lüge dar. Hier werde ich dann immer als Unterstützung gerufen. Auffallend ist, dass die moslemischen Kinder einen sehr ausgeprägten Glauben an Gott haben und ihn in Ehren halten, während die christlichen Kinder weniger ernsthaft damit umgehen.

Allen Kindern ist aber ein Austausch untereinander und mit den Erwachsenen wichtig. Hierbei erfahren sie etwas über Gut und Böse, Recht und Unrecht, Wahrheit und Lüge.
Wenn sie dann zusammen spielen, setzen sie das Besprochene um und lernen voneinander und miteinander. Sie zanken sich, sie verzeihen sich und sie mögen sich wieder. Erwachsene sind Leitbilder der Kinder, trotz aller Fehler und Schwächen, hier schauen sie ab. Daher ist es wichtig mit Gott an unserer Seite zu handeln, damit die Kinder ihn durch uns wahrnehmen.

Wie baut sich ein Verhältnis zu Gott bei den Kindern überhaupt auf? Ein wichtiges Erlebnis dafür ist sicherlich zuerst das Vertrauensverhältnis zu den Eltern. Von ihnen erfahren bereits die Babys, dass sie angenommen sind. Sie fühlen sich sicher, geborgen, geliebt und können so ein Urvertrauen in die Welt entwickeln.
Eltern, die sich über den neuen Erdenbürger freuen, ihr Glück nicht fassen können, bedanken sich bei Gott und prägen so durch ihr göttliches Vertrauen das Wesen der Kinder, denn Gott ist bereits vorher schon an ihnen tätig geworden. Auch er gibt seine Liebe an die Kinder ab. Er möchte, dass ihr Leben gelingt und dass sie ihm vertrauen. Er mag sie so wie sie sind, er hört ihnen zu, schubst sie nicht weg, er nimmt ihnen die Angst, tröstet sie und er sagt: „Du hast einen Platz und wirst gebraucht.“

Kinder können das erleben. Eltern sind dabei die entscheidenden Vorbilder der Kinder. Sie legen Werte und Maßstäbe fest. Ihren Glauben und ihr Vertrauen geben sie an die Kinder weiter durch ihr Handeln, ihre Geschichten, ihre Gebete und das ernsthafte Bemühen, mit Gottes Geboten zu leben.

In einem Interview habe ich einige Kinder gefragt, ob sie mir Gott beschreiben können. Manche Kinder haben voller Inbrunst von Gott erzählt. Sie sind von ihm beeindruckt und stellen nichts in Frage. Sie akzeptieren ihn so, wie sie ihn von den Eltern, Großeltern oder Freunden kennengelernt haben. Gott ist für die meisten Kinder wirklich (noch) etwas ganz besonderes und es ist ganz klar, man darf sich nicht über ihn lustig machen.

Ich spürte bei den Kindern eine große Ehrfurcht vor Gott und ich wünschte mir die Gelassenheit für uns Erwachsene über Gott mit anderen Menschen so zu reden, wie die Kinder, ohne Scham und Angst. In dieser Beziehung können wir noch etwas von den Kindern lernen.

Das Interview
„Kinder beschreiben Gott“

Alexandra:
Gott liebt uns, er gibt uns das Herz, unsere Kraft, unsere Ehrlichkeit. Der liebe Gott schenkt uns Freude, Mut und Schönheit.
Er schenkt uns das Leben und dass wir in die Schule gehen können und lernen dürfen.

Ann-Sophie:
Gott hat die ganze Welt geschaffen, die Blumen, die Tiere und die Menschen. Wir müssen auf alles aufpassen.

Marcel:
Er beschützt mich, wenn sich jemand weh tut heilt er alles wieder.

Michelle:
Gott ist schön und gut. Ich bin froh weil er die ganze Welt gemacht hat.
Miriam:
Gott glaubt immer an uns, er segnet uns und beschützt uns. Er hat jeden Menschen lieb. Er schreibt die bösen Wörter auf, die wir sagen und fragt uns, wenn wir gestorben sind, im Himmel, warum wir das gemacht haben.

Cynthia:
Gott ist ganz toll, weil er uns geschaffen hat.

Kay:
Gott hat ein weißes Gewand an und nackte Füße. Er hat Flügel und ein ganz liebes Gesicht. Wenn ich nachts wach werde, sag ich ihm immer: „Ich will wieder einschlafen“ und das klappt.

Vinusan:
Gott hat einen weißen Ring auf dem Kopf und Flügel. Er hat ein nettes Gesicht und ist ein bisschen alt und ein bisschen jung.

Julia:
Gott ist nett. Er erfüllt mir manchmal Wünsche, z. B. dass ich reiten gehen darf. Abends rede ich mit ihm und bedanke mich für den schönen Tag. Ich sag ihm auch, wenn ich traurig bin, er macht mich dann wieder froh.

Damir:
Gott ist das Wichtigste in meinem Leben. Er hat alles geschaffen, mich, die Welt, er hört mir zu, der mag mich.

Murath:
Gott ist der Schöpfer, dem muss man gehorchen. Er sieht alles, er lässt alles wachsen, er sorgt für mein Leben. Gott liebt mich, wenn keiner mich mag, er mag mich. Gott hält die ganze Welt in seiner Hand. Er sagt uns wie wir leben sollen, dass ist sehr wichtig.

Anna:
Gott ist mächtig, er hat die ganze Welt erschaffen. Sein Geist ist aufteilbar auf alle Menschen. Wie er ist weiß man nicht, weil keiner ihn gesehen hat, aber er ist gerecht. Ich bete jeden Abend für schönes Wetter, manchmal passiert es. Aber auch, dass die Mathearbeit gut geht und es war positiv.

Jannik:
Der liebe Gott ist wie ein normaler Mensch, nur riesig. Er hat mir schon mal geholfen. Als ich über eine rote Ampel ging hat er mich beschützt, weil mir nichts passiert ist. Gott ist ganz lieb und hilft mir. Jeden Abend bedanke ich mich für den schönen Tag und bitte um Schutzengel über meinem Bett und dass ich keinen Alptraum bekomme.

Laura:
Gott hat einen langen Bart und viele Falten im Gesicht von vielen Sorgen. Er ist überall und hört alle Menschen die zu ihm reden, auch die Kranken. Ich hab ihn schon mal gebeten, dass ich mich verabreden darf und das hat geklappt. Abends bete ich, dass ich nicht träume und das hilft. Ich hab auch gebetet, dass die Mathearbeit gut ausfällt und es hat geklappt.

Ich wünsche uns, dass wir den Kindern ein lebendiges Vorbild sein können und dass uns dabei wieder der kindliche Glaube umfängt und uns frei macht von allen Ängsten, Sorgen und Schwierigkeiten die uns belasten. Vielleicht können wir dann Gottes Nähe erspüren und uns daran erfreuen.

„Jesus sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“ (Mt 18,3)

Birgit Hykes

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