Vom Unkraut unter dem Weizen

Matthäus 13,24-30; 37-40

Jesus Christus sät den guten Samen. Der Acker ist die Welt. Das ist die Welt, in der wir sind und leben. Wo Jesus, der Sohn Gottes, sät, ist der Feind nicht untätig und sät ebenfalls. Die gravierenden Unterschiede sind erst im Fruchtstand zu erkennen. Bis dahin scheint alles kaum unterscheidbar zu sein. Die Ähnlichkeiten sind verwirrend.

Außergewöhnlich viel Unkraut unter dem Weizen ist die Folge menschlicher Nachlässigkeit (bei der Reinigung des Saatguts), oder die Bosheit eines schlimmen Feindes ist die Ursache. Die Nachricht der Knechte, dass Unkrautsamen in den guten Samen eingestreut wurde, scheint den Hausherrn (Jesus) nicht zu überraschen. „Das hat ein Feind getan“, antwortet er den Knechten (V. 28); so, als habe er damit gerechnet.

Er weiß, dass er einen Feind hat. Feindes-Saat ist eine un­erhörte Untat, die nicht selten im Orient geschehen ist. Wirft der Feind z.B. Schilfgras auf die gute Saat, saugt diese dann alle Feuchtigkeit aus dem Boden und macht den guten Acker unbrauchbar für jede andere Frucht. „Das hat ein Feind getan“, der das jetzt noch tun kann. Noch hat er die Zeit dazu, und die nutzt er aus. Jede Gelegenheit nimmt er wahr.

Die Knechte fragen nach, was denn jetzt geschehen soll. Sie haben zwar einen Vorschlag zu machen, ausjäten oder ausreißen. Aber nicht sie entscheiden darüber, was nun zu geschehen hat, denn es ist nicht ihr Acker. Sie fragen den, der letztlich über Weizen und Unkraut entscheidet. Die Knechte des Herrn sollen wohl unterscheiden, aber nicht scheiden. Trennen, richten, verwerfen steht den Knechten nicht zu. Die Vernichtung des Bösen steht allein dem Herrn zu.

Nein! sagt der Herr, damit ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet (V. 29). Der Weizen soll bewahrt bleiben - nicht Unkraut ausreißen ist das Ziel! Erst wenn beides „reif zur Ernte“ ist, wird gehandelt. Das Unkraut hat stärkere Wurzeln als der Weizen, und die Wurzeln sind miteinander verflochten und verwachsen. Der Herr lässt das Unkraut mit dem Weizen wachsen, um den Weizen zu schonen.

In der Ausreife, wenn man ganz sicher sein kann, was „gut und böse“ ist, dann wird das Unkraut vom Weizen getrennt, gebündelt und verbrannt. Der Weizen aber wird eingesammelt und in seine Scheune eingebracht; so bestimmt es der Herr (V. 30). Wir dürfen ganz sicher sein, dass die Schnitter, die Engel Gottes, nicht Weizen mit Unkraut verwechseln. Gott ist gerecht!

Das Gleichnis ist ein Bild für unsere Weltsituation: Alle beteuern, nur das Gute zu wollen, doch gewinnt viel zu oft das Böse die Übermacht. Jesus erklärt uns hier, das Unkraut wächst mit dem Weizen der Ernte entgegen. Der Herr lässt es so geschehen, um den Weizen zu schonen und zu bewahren - und wir fragen: Warum? Warum lässt Gott das zu ...? Ist er nicht allmächtig ...? Wenn es einen liebenden Gott gäbe, dürfte es das Unheil nicht geben ... ­gäbe es einen gerechten Gott, dürfte es das Böse nicht geben ... ­Der gerechte Gott könnte doch das Böse in einem Augenblick aus der Welt schaffen und vernichten ..., aber er würde uns mit vernichten müssen, denn das Böses haftet uns auch an, die Wurzel des Bösen ist auch in uns.

Und du fragst zweifelnd und anklagend empört: Warum lässt Gott das zu?

Gott lässt Böses und Gutes miteinander zu, um dich und mich nicht zu vernichten.

ER will, dass wir leben, Buße tun und uns zu IHM wenden.
In der Deutung sagt Jesus: Der gute Samen sind die „Kinder des Reichs“. Das Unkraut sind die „Kinder des Bösen“ (V. 38). Jesus spricht also von Menschen. Bei Menschen ist Entwicklung und Veränderung möglich - das heißt, der Mensch ist nicht zwanghaft „so oder so“.
Während Unkraut immer Unkraut bleibt und nicht Weizen werden kann, ist es aber möglich, dass sich ein „böser“ Mensch zu einem „guten“ Menschen verändert.

Der Mensch hat einen freien Willen. Der Mensch hat die freie Entscheidungsmöglichkeit für das Böse und gegen das Gute oder für Gott und gegen den Teufel. Jedoch: halb Weizen und halb Unkraut sein, geht nicht. Oder halb Gott gehören und halb dem Teufel ist zwar ein vielfach unternommener Versuch, aber nicht möglich. Jesus selbst schließt jede dritte Möglichkeit aus. Entweder ... oder ... Mensch, entscheide dich! Entscheide dich für den Herrn Jesus Christus.
Jesus weiß von der Existenz des Teufels (V. 39).­ In christlichen Kreisen wird mitunter die Existenz des Teufels bestritten und die, die das nicht so sehen, werden als naiv belächelt.

Ich brauche an den Bösen nicht zu glauben, denn das Böse erlebe ich jeden Tag. Das Böse in der Welt ist die Saat des Bösen, das ist der Teufel. Das ist der größte Erfolg des Teufels, dass man mit ihm nicht mehr rechnet. Der Feind hat schon gewonnen, dessen Existenz geleugnet wird!

Jedoch bedenke: Wer sich für Jesus Christus entschieden hat, darf sich nicht wundern, dass Feind von Jesus auch sein Feind wird. Jesus folgen hat Folgen! Jesus zwingt zur Entscheidung! Du selbst bist an der Entscheidung über deine Zukunft, über dein irdisches Leben und über dein ewiges Leben beteiligt.

Das ewige Leben hat Jesus Christus für uns erworben. Durch sein einmaliges, vollgültiges Opfer hat uns Jesus Christus das Himmelreich aufgerissen. Entscheide dich für Ihn, denn ER hat sich längst für dich entschieden.

Glaube an Jesus Christus und du bist gerettet! Die düsteren Vorhersagen Jesu in der Deutung des Gleich­nisses zum Ende der Welt, Verse 41+42, dürfen wir um der Wahrheit willen nicht verschweigen. Aber die Zukunft der Kinder Gottes beschreibt der Vers 43: „Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich.“
Diese Verheißung hilft durch alle Nöte der Zeit, und der Herr erfüllt, was ER verheißt.

(Der Artikel wurde verfasst unter Verwendung des Amtsblatts vom 17.1.1999 von Apostel Werner Weise.)

Friedhelm Maihöfer

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